Eine Gasheizung läuft in vielen Haushalten seit Jahren „irgendwie“. Warm wird es schon, also bleibt alles wie es ist. Genau das kostet Geld: Zu hohe Vorlauftemperaturen, eine zu steile Heizkurve oder eine ungünstige Nachtabsenkung sorgen dafür, dass der Kessel unnötig heiß fährt, häufiger taktet und mehr Gas verbrennt als nötig. Das Gute: Die meisten Stellschrauben lassen sich ohne Werkzeug optimieren – entscheidend ist, systematisch vorzugehen und nicht drei Dinge gleichzeitig zu ändern.
Warum falsche Einstellungen sofort Geld verbrennen
Eine Gasheizung ist am sparsamsten, wenn sie möglichst gleichmäßig und mit der niedrigsten nötigen Temperatur arbeitet. In der Praxis passiert oft das Gegenteil: morgens kalt, also Thermostat voll auf; abends zu warm, also wieder runter. Die Heizung reagiert darauf mit hohen Temperaturen und kurzen, häufigen Laufzeiten. Diese Kombination ist teuer, weil jede „Hochheiz-Phase“ zusätzliche Verluste erzeugt – in den Leitungen, am Kessel und durch unnötig heißes Wasser im System.
Wer die Gasheizung richtig einstellen will, braucht keinen Heizungsbauer im Wohnzimmer, sondern ein klares Ziel: Komfort halten, Gasverbrauch senken. Typische Einsparungen liegen häufig im Bereich von etwa 5–15 % – je nachdem, wie „verstellt“ die Anlage vorher war und wie gut das Haus die Wärme hält. In einem Haushalt mit 18.000 kWh Gas pro Jahr kann das grob 900–2.700 kWh weniger bedeuten. Bei einem Arbeitspreis von z. B. 12 ct/kWh wären das rund 108–324 Euro pro Jahr – ohne dass ein einziges Bauteil getauscht wird.
Die drei Stellschrauben, die am meisten bringen
Vorlauf, Heizkurve und Nachtabsenkung hängen zusammen. Wer nur an einer Stelle dreht, erreicht oft nur, dass an anderer Stelle „gegengeregelt“ wird. Deshalb lohnt ein kurzer Überblick, was was ist – in normaler Sprache, ohne Heizungslatein.
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Vorlauftemperatur: Wie heiß schickt die Heizung Wasser in die Heizkörper?
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das aus dem Kessel in die Heizkörper oder Fußbodenheizung läuft. Je höher sie ist, desto schneller wird es warm – aber desto höher sind auch die Verluste. Zu heißer Vorlauf führt außerdem oft zu unangenehmem „Auf und Ab“: kurz sehr warm, dann wieder kühl, weil der Kessel abschaltet.
Heizkurve: Der Autopilot der Heizung
Die Heizkurve regelt automatisch, wie hoch die Vorlauftemperatur bei welcher Außentemperatur sein soll. Draußen mild = niedriger Vorlauf. Draußen kalt = höherer Vorlauf. Ist die Kurve zu steil, fährt die Heizung bei Kälte viel zu heiß. Ist sie zu flach, wird es bei Frost nicht warm genug. Viele Anlagen stehen ab Werk eher „sicher zu hoch“, damit niemand friert – das ist komfortabel, aber teuer.
Nachtabsenkung: Sparmodus oder Komfortfalle?
Die Nachtabsenkung senkt die Temperatur oder schaltet die Heizung zeitweise herunter. Klingt immer sinnvoll – kann aber je nach Haus und Heizsystem auch nach hinten losgehen: Wenn morgens mit sehr hoher Leistung „nachgeheizt“ werden muss, verpufft ein Teil der Ersparnis. In gut gedämmten Wohnungen ist eine starke Absenkung oft unnötig, weil die Räume ohnehin kaum auskühlen.
Bevor du etwas verstellst: So liest du deine Heizung richtig
Viele Einstellungen heißen je nach Hersteller anders. Trotzdem sind die Funktionen fast immer gleich. Hilfreich ist ein kurzer Realitätscheck im Alltag: Wie fühlt sich das Zuhause an und wie verhält sich die Anlage?
Achte an zwei typischen Tagen darauf: ein milder Tag (z. B. 8–12 °C) und ein kalter Tag (0–5 °C). Notiere dir nur drei Dinge: Ist es in Wohnräumen konstant angenehm? Sind Heizkörper oben sehr heiß und unten deutlich kühler (normal), oder sind sie überall „kochend“ (oft zu heißer Vorlauf)? Und hört man den Kessel ständig an- und ausgehen (häufiges Takten)?
Diese Beobachtungen sind Gold wert, weil sie dir zeigen, ob du eher „zu heiß“ oder „zu schwach“ unterwegs bist. Genau so wird Gasheizung richtig einstellen zur planbaren Optimierung statt zum Ratespiel.
Gasheizung richtig einstellen: Schritt-für-Schritt ohne Chaos
Wer jetzt wild an Menüs dreht, verliert schnell den Überblick. Besser ist eine feste Reihenfolge mit kleinen Änderungen und genügend Zeit, damit das Haus „reagiert“. Wichtig: Immer nur eine Stellgröße ändern und dann mindestens 24–48 Stunden testen.
- Thermostate im Referenzraum voll öffnen (z. B. Wohnzimmer) und die Raumtemperatur dort über die Heizungsregelung bzw. über die Heizkurve „führen“. Thermostate sind keine Gaspedale, sondern Begrenzungen. Wenn sie ständig „zumachen“, arbeitest du gegen die Regelung.
- Heizkurve optimieren (Neigung und Niveau), weil sie das Grundverhalten bestimmt.
- Vorlauf begrenzen, wenn die Anlage dazu eine Maximaltemperatur erlaubt.
- Nachtabsenkung fein einstellen – passend zu Dämmung und Alltag.
Diese Reihenfolge verhindert, dass du morgens frierst, abends schwitzt und am Ende nicht weißt, welche Änderung geholfen hat.
Heizkurve einstellen: Der größte Hebel für weniger Gas
Die Heizkurve hat meist zwei Parameter: Neigung (Steilheit) und Niveau (Parallelverschiebung). Die Neigung entscheidet, wie stark die Vorlauftemperatur bei Kälte ansteigt. Das Niveau hebt oder senkt die Kurve insgesamt, also auch bei milderen Temperaturen.
So erkennst du: Neigung zu hoch oder Niveau zu hoch?
Wenn es an milden Tagen zu warm ist, aber an sehr kalten Tagen „gerade so passt“, ist oft das Niveau zu hoch. Wenn es an milden Tagen okay ist, aber an kalten Tagen viel zu warm wird, ist oft die Neigung zu hoch. Umgekehrt: Wenn es bei mildem Wetter zu kühl ist, aber bei Frost okay, könnte das Niveau zu niedrig sein; wenn es bei Frost zu kühl wird, ist die Neigung zu niedrig.
Praxis-Setting: So gehst du konkret vor
Starte konservativ: Senke die Neigung in kleinen Schritten (z. B. 0,1) und teste. Wird es an einem kalten Tag noch warm genug, hast du Gas gespart, ohne Komfortverlust. Wird es zu kühl, gehst du einen Schritt zurück oder hebst das Niveau minimal an.
Ein typisches Alltagsbild: Abends sitzen alle im Wohnzimmer, Thermostat steht auf 3, und trotzdem ist es „mal zu warm, mal zu kalt“. Oft ist die Heizkurve zu steil, wodurch die Anlage überheizt, dann wieder abschaltet und die Temperatur schwankt. Eine etwas flachere Kurve sorgt für gleichmäßigeres Heizen – weniger Spitzen, weniger Verluste.
Rechenbeispiel: Was bringt eine bessere Heizkurve?
Angenommen, ein Haushalt verbraucht 20.000 kWh Gas/Jahr. Durch eine zu steile Heizkurve läuft die Anlage häufig mit unnötig hoher Vorlauftemperatur, taktet stärker und erzeugt mehr Verteilverluste. Eine saubere Anpassung bringt realistisch z. B. 8 % weniger Verbrauch.
20.000 kWh × 0,08 = 1.600 kWh. Bei 0,12 €/kWh sind das rund 192 Euro pro Jahr. Der Aufwand: an zwei bis vier Tagen jeweils wenige Minuten im Menü und ein bisschen Beobachtung.
Vorlauftemperatur richtig einstellen: So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig
Nicht jede Regelung zeigt „Vorlauftemperatur“ direkt an, oft gibt es eine Maximalbegrenzung oder einen Betriebsmodus (z. B. Radiatoren/Fußbodenheizung). Grundprinzip: Je niedriger der Vorlauf, desto geringer die Verluste – und desto besser arbeitet bei Brennwertgeräten oft auch der Brennwerteffekt, weil niedrigere Rücklauftemperaturen wahrscheinlicher werden.
Typische Fehler im Alltag
Viele drehen die Vorlauftemperatur hoch, weil einzelne Räume nicht warm werden. Das Problem liegt dann aber oft nicht am Vorlauf, sondern an falsch eingestellten Thermostaten, ungünstiger Heizkurve, fehlendem hydraulischen Abgleich oder „schluckenden“ Heizkörpern (Luft im Heizkörper, Ventile klemmen, Möbel davor). Der hohe Vorlauf heizt dann zwar schneller, aber du bezahlst dafür mit dauerhaft höheren Verlusten.
So testest du die Vorlauf-Senkung ohne zu frieren
Senke die maximale Vorlauftemperatur in kleinen Schritten (z. B. 3–5 °C). Teste an einem kühlen Tag, ob die kältesten Räume noch zuverlässig die gewünschte Temperatur erreichen. Wenn ja, nächster Schritt. Wenn nein, einen Schritt zurück.
Eine realistische Alltagssituation: Das Bad wird morgens nicht warm genug, also wird der Vorlauf insgesamt hochgedreht. Ergebnis: Wohnzimmer und Flur werden unnötig warm, Thermostate schließen, der Kessel taktet. Besser: Heizkurve sauber einstellen und prüfen, ob im Bad das Thermostatventil korrekt arbeitet und der Heizkörper frei „atmen“ kann.
Nachtabsenkung einstellen: Wann sie spart – und wann nicht
Nachtabsenkung klingt immer nach Sparen. In vielen Wohnungen ist die größte „Sparwirkung“ aber schon erreicht, wenn die Temperatur nachts leicht sinkt, statt stark zu fallen. Denn starkes Absenken bedeutet morgens starkes Nachheizen – und das passiert oft mit höheren Vorlauftemperaturen und mehr Leistungsspitzen.
Faustlogik nach Gebäudetyp
In gut gedämmten Wohnungen fällt die Temperatur nachts oft nur wenig. Hier kann eine geringe Absenkung oder sogar Durchheizen auf niedriger Stufe sinnvoll sein, weil der Kessel ruhig durchläuft. In schlecht gedämmten Altbauten kann eine moderate Absenkung helfen, weil Räume wirklich auskühlen und sonst unnötig Wärme „durch die Wand“ verschwindet.
Entscheidend ist der Morgen: Wenn morgens alle Thermostate hochgedreht werden, um schnell Wärme zu bekommen, ist die Nachtabsenkung meist zu stark oder zu lang. Dann wird aus Sparmodus eine Komfortfalle.
Konkrete Einstellungsidee für den Alltag
Statt 4–5 °C Absenkung lieber mit 1–2 °C starten und beobachten: Wie schnell wird es morgens angenehm? Muss „geboostet“ werden? Wenn das Haus träge ist (massive Wände, Fußbodenheizung), sind starke Absenkungen oft kontraproduktiv, weil das System lange braucht, um wieder aufzuholen.
Ein greifbares Beispiel: Nachts wird auf 16 °C abgesenkt, morgens sollen es um 7 Uhr 21 °C sein. Die Heizung fährt dann früh mit hoher Temperatur, um aufzuholen. Wer auf 19 °C absenkt, verliert nachts weniger Wärme, muss morgens weniger nachheizen und hat oft am Ende einen ruhigeren, sparsameren Betrieb.
Typische Missverständnisse: Thermostat, Raumtemperatur und „schneller warm“
Ein Thermostat auf 5 macht den Raum nicht schneller warm als auf 3. Es bestimmt nur die Zieltemperatur. „Aufdrehen“ führt meist dazu, dass der Heizkörper länger volle Leistung gibt, wodurch der Raum über das Ziel hinaus schießt und später wieder auskühlt. Genau diese Schwankungen kosten Energie.
Wer die Gasheizung richtig einstellen will, sollte Thermostate in genutzten Räumen auf eine sinnvolle Zieltemperatur bringen und dann die Heizungsregelung so optimieren, dass diese Temperaturen zuverlässig erreicht werden – ohne Dauer-Überhitzen.
Taktung reduzieren: Das unsichtbare Problem vieler Gasheizungen
Takten bedeutet: Der Brenner springt häufig an und geht wieder aus. Das ist ineffizient und kann auf zu hohe Vorlauftemperaturen, eine zu steile Heizkurve oder eine zu geringe Wärmeabnahme (zu viele Thermostate schließen) hinweisen. Ziel ist ein längerer, gleichmäßiger Lauf.
Wenn nach der Kurven- und Vorlauf-Optimierung der Brenner seltener anspringt und länger läuft, ist das ein gutes Zeichen. Viele merken das direkt am Alltag: weniger Geräusche, weniger „Temperatur-Achterbahn“, häufig auch weniger Verbrauch.
Die schnelle Fehlerliste: Wenn es nach dem Einstellen nicht passt
Wenn nach Anpassungen Räume nicht warm genug werden, liegt es nicht automatisch daran, dass „die Heizung zu schwach“ ist. Häufig sind es Bremsen im System. Typische Bremsen sind Luft im Heizkörper, verdeckte Heizkörper (Vorhänge, Möbel), falsch eingestellte Thermostatköpfe, ein klemmendes Ventil oder eine ungünstige Zeitsteuerung, die zu spät startet.
Als Praxisregel gilt: Erst Regelung sauber einstellen, dann die „Hardware“ prüfen. Sonst wird der Vorlauf hochgedreht, um ein Detailproblem zu überdecken – und genau das treibt die Kosten.
Alltags-Check nach 7 Tagen: So merkst du, ob du wirklich sparst
Eine Woche nach den Änderungen zeigt sich meistens, ob die Richtung stimmt. Es geht nicht um „perfekte“ Werte, sondern um stabile Wärme mit weniger Heizleistung.
Achte in dieser Woche auf drei Punkte: Werden Wohnräume konstant angenehm, ohne dass Thermostate ständig stark regeln? Läuft die Heizung ruhiger (weniger Takten)? Und musst du morgens „nachhelfen“, weil es zu kalt ist? Wenn Komfort passt und die Anlage ruhiger läuft, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Gasverbrauch sinkt.
Wer es genau wissen will, kann zusätzlich den Gaszähler im Blick behalten: Ein kurzer Blick zur gleichen Uhrzeit an zwei vergleichbaren Tagen (ähnliche Außentemperatur) reicht oft, um eine Tendenz zu erkennen. Das ist alltagsnah und funktioniert ohne Technik-Spielerei.
