Steigende Mieten sind im Saarland längst ein Thema – doch oft steckt nicht nur die „Kaltmiete“ dahinter, sondern auch wachsende Nebenkosten. Ein wichtiger Preistreiber sind die Grundsteuer-Hebesätze der Kommunen. Immer wenn Städte und Gemeinden ihre Haushaltslöcher stopfen müssen, greifen sie gern zur Stellschraube Grundsteuer. Für Eigentümer ist das ärgerlich, für Mieter aber besonders teuer: Die Grundsteuer darf als Betriebskosten umgelegt werden und taucht dann ganz unscheinbar in der Nebenkostenabrechnung auf.
Gerade seit der Grundsteuerreform ab 2025 schauen viele Eigentümer und Mieter im Saarland besorgt auf die Bescheide. Stichwort „Grundsteuer: Hebesätze“ – was technisch klingt, bedeutet am Ende ganz konkret: höhere monatliche Wohnkosten. In diesem Artikel erfährst du, was hinter den Hebesätzen steckt, wie stark Kommunen im Saarland tatsächlich zudrehen – und welche Möglichkeiten Mieter haben, um sich vor unnötigen Mehrkosten zu schützen.
Was bedeuten Grundsteuer-Hebesätze überhaupt?
Um zu verstehen, warum die Grundsteuer so stark schwankt, lohnt sich ein Blick auf die Berechnungsformel. Die Grundsteuer setzt sich im Kern aus drei Bausteinen zusammen:
- Grundsteuerwert des Grundstücks oder der Immobilie
- Steuermesszahl, die bundesgesetzlich festgelegt ist
- Hebesatz der Kommune, den jede Gemeinde im Saarland selbst bestimmen darf
Der Hebesatz ist also der lokale „Turbo“: Er wird auf den Grundsteuermessbetrag angewendet und entscheidet darüber, ob ein Haus in der einen Kommune vielleicht 400 Euro Grundsteuer im Jahr kostet – und ein nahezu identisches Haus ein paar Kilometer weiter plötzlich 700 Euro. Erhöht der Stadtrat den Hebesatz, steigt die Grundsteuer oft sofort spürbar, auch ohne dass sich am Gebäude selbst etwas verändert.
Wichtig: Für Wohnhäuser ist meist die Grundsteuer B relevant. Sie wird für bebaute und unbebaute Grundstücke im Stadt- und Dorfgebiet fällig – also genau für die Immobilien, in denen die meisten Mieter leben.
Saarland als Hochsteuerland: Warum Kommunen an der Schraube drehen
Im Bundesvergleich liegt das Saarland bei den Grundsteuer-Hebesätzen im oberen Bereich. Viele Städte und Gemeinden haben in den letzten Jahren an der Steuerschraube gedreht, um ihre angespannten Haushalte zu stabilisieren. Für die Kommune ist das attraktiv: Schon wenige Punkte mehr beim Hebesatz bringen dauerhaft zusätzliche Einnahmen, ohne dass sie eine neue Steuer erfinden muss.
In Städten wie Saarbrücken, Homburg, Neunkirchen oder Völklingen sind die Hebesätze für die Grundsteuer B bereits seit Jahren hoch und wurden für 2025 teilweise noch einmal angehoben. In kleineren Gemeinden im Umland liegen die Werte häufig niedriger, aber auch hier gibt es seit der Reform eine gewisse Bewegung nach oben. Unterm Strich gilt: Im Saarland ist Wohnen über die Grundsteuer vielerorts teurer als in anderen Bundesländern – und das merkt man an den Nebenkosten.
Für Mieter bedeutet das: Die Wahl des Wohnortes innerhalb des Bundeslandes kann sich direkt auf die jährliche Nebenkostenabrechnung auswirken. Zwei ähnlich große Wohnungen mit ähnlicher Kaltmiete können durch unterschiedliche Hebesätze schnell 10 bis 20 Euro Nebenkosten im Monat auseinanderliegen.
Dürfen Vermieter die Grundsteuer auf Mieter umlegen?
Die schlechte Nachricht zuerst: Ja, die Grundsteuer zählt laut Betriebskostenverordnung zu den umlagefähigen Nebenkosten. Vermieter dürfen sie also in der Nebenkostenabrechnung auf die Mieter verteilen – vorausgesetzt, der Mietvertrag ist entsprechend formuliert. Meist findest du in deinem Vertrag eine Klausel wie „Der Mieter trägt die umlagefähigen Betriebskosten gemäß § 2 BetrKV“, häufig mit dem Zusatz „insbesondere Grundsteuer, Wasser, Heizung …“.
Die Umlage funktioniert in der Praxis so: Die Kommune schickt dem Eigentümer den Grundsteuerbescheid, dieser zahlt die Steuer und legt sie anschließend anteilig auf die Mieter um. Der Verteilungsschlüssel richtet sich meist nach der Wohnfläche. Wer mehr Quadratmeter bewohnt, trägt auch einen größeren Anteil an der Grundsteuer.
Eine Anpassung der monatlichen Nebenkosten-Vorauszahlung ist dabei grundsätzlich erlaubt, wenn sich die Grundsteuer nachweislich erhöht hat. Die tatsächliche Abrechnung erfolgt dann in der nächsten Nebenkostenabrechnung. Wichtig ist: Vermieter dürfen keine „Sicherheitsaufschläge“ ohne Grundlage einbauen – jede Erhöhung muss sich aus konkreten Kosten ergeben und belegbar sein.
So wirken sich steigende Hebesätze auf deine Nebenkosten aus
Wie stark eine Hebesatzerhöhung im Saarland durchschlägt, hängt von mehreren Faktoren ab: vom neuen Hebesatz, vom Grundsteuerwert der Immobilie und davon, wie viele Parteien im Haus wohnen.
Ein einfaches Rechenbeispiel: Angenommen, ein Mehrfamilienhaus hat bisher 500 Euro Grundsteuer im Jahr gekostet. Durch eine Hebesatzanhebung steigt die Grundsteuer auf 650 Euro. Das sind 150 Euro Mehrkosten jährlich. In einem Haus mit fünf gleich großen Wohnungen wären das 30 Euro pro Wohnung im Jahr – also 2,50 Euro im Monat. Klingt wenig, aber in Kombination mit höheren Heiz- und Stromkosten summieren sich solche Erhöhungen.
In Häusern mit höherem Grundsteuerwert oder besonders hohen Hebesätzen können die Mehrkosten schnell im zweistelligen Bereich pro Monat landen. Gerade in Städten mit angespannten Haushalten zahlen Mieter somit indirekt für kommunale Finanzprobleme mit.
Haushaltslöcher stopfen – auf dem Rücken der Mieter?
Aus Sicht der Kommunen ist die Grundsteuer ein verlässlicher Einnahmeposten. Höhere Hebesätze helfen, Investitionen zu finanzieren, Schulden abzubauen oder Pflichtaufgaben zu erfüllen. Kritiker bemängeln allerdings, dass gerade Mieter kaum eine Chance haben, sich dieser Entwicklung zu entziehen. Sie können weder den Grundsteuerbescheid anfechten noch die Höhe des Hebesatzes direkt beeinflussen.
Besonders problematisch wird es, wenn Kommunen den Hebesatz deutlich anheben, ohne gleichzeitig bei anderen Ausgaben spürbar zu sparen. Für Eigentümer kann das noch verkraftbar sein, weil sie die Mehrkosten weiterreichen. Für Mieter bedeutet es dagegen: Die Warmmiete steigt – obwohl weder mehr Wohnkomfort noch bessere Serviceleistungen gegenüberstehen.
Mieterschutzorganisationen fordern deshalb seit Jahren, die Umlagefähigkeit der Grundsteuer zu begrenzen oder ganz abzuschaffen. Solange der Gesetzgeber hier nichts ändert, bleibt Mietern aber nur, genau hinzuschauen und ihre Rechte konsequent zu nutzen.
Was Mieter im Saarland jetzt konkret tun können
Viele Mieter fühlen sich bei der Nebenkostenabrechnung ausgeliefert. Dabei gibt es durchaus Stellschrauben, um überzogene Forderungen zu erkennen – und sich im Zweifel zu wehren.
Nebenkostenabrechnung prüfen
Sobald die nächste Nebenkostenabrechnung ins Haus flattert, solltest du die Position „Grundsteuer“ besonders aufmerksam lesen. Ist eine deutliche Steigerung erkennbar, lohnt sich der Vergleich mit der Vorjahresabrechnung und – wenn möglich – mit dem Grundsteuerbescheid des Eigentümers.
Frage im Zweifel nach einer Kopie oder Einsichtnahme; Vermieter müssen die Abrechnung nachvollziehbar belegen können. Fehler passieren häufiger, als man denkt – etwa wenn ein falscher Umlageschlüssel verwendet wird.
Mit anderen Mietern austauschen
Sprich mit Nachbarn im Haus oder im Wohnviertel. Oft zeigt sich im Vergleich, ob eine Erhöhung plausibel wirkt oder ob einzelne Haushalte überproportional belastet werden. Gemeinsam fällt es außerdem leichter, gegenüber dem Vermieter Fragen zu stellen oder um eine Erläuterung der Abrechnung zu bitten.
Rechtliche und finanzielle Beratung nutzen
Gerade bei größeren Nachzahlungen lohnt sich der Gang zu einer Mieterberatung, zum Mieterverein oder zur Verbraucherzentrale. Dort wird geprüft, ob die Umlage der Grundsteuer korrekt ist. Wer Anspruch auf Wohngeld oder andere Entlastungen hat, sollte diese unbedingt prüfen – steigende Nebenkosten verbessern manchmal sogar die Chancen auf Unterstützung.
Zur Orientierung kannst du dir außerdem anwaltliche Erstberatungen sichern oder Rechtsschutzversicherungen prüfen, die Mietrecht einschließen. Das kostet zwar Geld, kann sich aber spätestens bei einer strittigen Nebenkostenabrechnung schnell rechnen.
So kannst du Mehrkosten durch höhere Grundsteuer abfedern
Auch wenn Mieter die Grundsteuer selbst nicht beeinflussen können, gibt es Möglichkeiten, die Gesamtbelastung im Alltag zu senken. Einige Strategien helfen, den finanziellen Druck abzufedern:
- Energieverbrauch senken: Wenn Heizung, Warmwasser und Strom günstiger werden, fällt eine höhere Grundsteuer weniger ins Gewicht. Schon kleine Verhaltensänderungen – kürzer duschen, richtig lüften, Heizkörper entlüften, Standby vermeiden – bringen spürbare Effekte.
- Verträge und Tarife prüfen: Strom, Gas, Internet und Versicherungen lassen sich oft wechseln. Wer regelmäßig vergleicht und kündigt, wenn es zu teuer wird, gewinnt Spielraum für unvermeidbare Nebenkosten wie die Grundsteuer.
- Wohnsituation langfristig anpassen: In einigen Fällen kann eine etwas kleinere Wohnung, ein Umzug in eine Gemeinde mit moderateren Hebesätzen oder ein Wechsel in eine energetisch bessere Immobilie langfristig Geld sparen – auch wenn das ein größerer Schritt ist.
Wichtig ist, dass du die steigende Grundsteuer nicht einfach als „Schicksal“ hinnimmst. Wer Zahlen kennt, Belege einfordert und seine laufenden Kosten aktiv optimiert, kann die Belastung deutlich reduzieren.
Fazit: Grundsteuer-Hebesätze genau im Blick behalten
Die Grundsteuer ist zwar eine Steuer für Eigentümer, doch über die Betriebskostenabrechnung trifft sie Mieter im Saarland direkt. Wenn Kommunen ihre Hebesätze anheben, stopfen sie damit oft Haushaltslöcher – die Rechnung landet aber in vielen Fällen im Briefkasten der Mieter.
Für dich als Mieter heißt das: Nebenkostenabrechnung sorgfältig prüfen, bei Auffälligkeiten nachfragen und Unterstützung nutzen. Gleichzeitig lohnt es sich, an anderen Stellen konsequent zu sparen, um steigende Grundsteuerkosten auszugleichen. Je besser du deine Rechte kennst und je aktiver du deine Finanzen steuerst, desto weniger macht dir die nächste Hebesatz-Erhöhung einen Strich durch die Haushaltsplanung.








